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Suki Moderatorin

Alter: 28 Anmeldedatum: 28.06.2006 Beiträge: 120 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 29.06.2006, 21:28 Titel: Mrs. O |
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| Zitat: | oh mrs. o
will you tell us where the naughty children go
will you show
how the sky turned white and everybody froze
heaven knows how they got into the fireplace
but everybody's saying grace
and trying to keep a happy face
and oh mrs. o
can you teach us how to keep from getting cold
out we go and you watch us as we face the falling snow
what a show with our hairdryers aimed heavenwards
and fifty foot extension cords
you really have a way with words
the truth can't save you now
the sky is falling down
watch the vultures count the hours
april trains may bring strange showers
and oh mrs. o
will you tell about the time they made you go
all alone to the palace where they took your only clothes
we all know
there's no hell and no hiroshima
chernobyl was a cover up
the world is really all in love
oh mrs o
will you leave us hanging now that we are grown
up and old
will you kill me if i say i told you so
we all know
ther'es no hitler and no holocaust
no winter and no santa clause
and yes virginia all because
the truth cant save you now
the sky is falling down
eveything they ever told us
shakes our faith and breaks their promise
but you can stop the truth from leaking
if you never stop believing...... |
_________________
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Me & the minibar
Anmeldedatum: 26.08.2006 Beiträge: 14
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Verfasst am: 26.08.2006, 16:27 Titel: You can stop the truth from leaking. |
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Ich finde Mrs. O ist ein wunderbarer Walzer, der so scheinbar ruhig, beruhigend und melancholisch beginnt, wie eine Erinnerung an alte Zeiten. Der Song wird damit musikalisch zu dieser geheimnisvollen alten Dame Mrs. O, die uns wohl auch scheinbar ruhig, weise, vielleicht sogar rätsehlaft erscheinen mag, die aber hinter einer alt-schüchternen Fassade ein Dilemma der Geschichtsfälschung und des Radikalismus verbirgt, das wir ihr nie ansehen könnten. Mrs. O ist für mich das Schicksal einer alten Dame, die nicht nur Großmutter und optimistische Hausfrau ist, sondern in sich verbitterte Erinnerungen an grausame Zeiten mit verfälschender Idealisierung ihrer Realität verarbeitet, die Welt für einen Ort der absoluten Liebe erklärt, weil sie selbst zu wenig Liebe erfahren hat. Amanda zitiert sie ironisch mit der Ausschwitz-Lüge, dem Schön-Reden von Tschernobyl und falsch angebrachtem Euphemismus und macht sie mit diesen Zeilen nicht nur zum Einzelschicksal sondern zum Symbol für all die Ideologien, die eigene Fehler, eigene Schuld und Selbsterlebtes mit einem Falsch- und Schönreden zu verdecken, zu verstechen, recht zu fertigen versuchen. Die Dresden Dolls geben in Mrs. O dieser nachdenklichen, ja sogar erschreckenden, Symbolik den gemütlichen Rahmen eines Walzers, als Wiege, als Geschichte vor dem Kamin, als Musik eines Wintermonats und verdeutlichen so, wie schleichend und stumm uns die Schuld in der Unschuld begegnet. Von Mrs. O und ihrer unheimlichen Selbsttäuschung, die zu Täuschung anderer, vielleicht sogar ihrer Enkel, wird, gelangt der Song mit einer musikalischen Steigerung zu einer Art philosophischem Diskurs über Wahrheit und Unwahrheit, über die Grenzen von Lüge und Notlüge, über die Frage, wann es richtig und wann es falsch ist, zu lügen. Um dies nicht in bloßer, philosophischer Theroie zu belassen, geben die Dresden Dolls dem Zuhörer ein konkretes, wunderschöne Beispiele aus der Historie: Den Zeitungartikel "Yes, Virgina, there is a Santa Claus" aus der New York Times und die damit zusammenhängende Beantwortung der Grundfrage um Wahrheit sieht Amanda wohl als Grundstein für das Verständins und das Verhindern einer solchen Lebenslüge, wie sie uns in Mrs. O begegnet. Ohne die Philosophie hinter dieser Frage offen zu enttarnen, gibt dieses Stück dem Zuhörer die Pflicht, sich darüber eigene Gedanken zu machen, mit dem letzten, sich aufbäumenden Aufruf: "You can stop the truth from leaking".
Me and the Mini Bar |
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pas_drôle

Alter: 25 Anmeldedatum: 30.07.2006 Beiträge: 346 Wohnort: Berlin vs Trier
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Verfasst am: 28.08.2006, 21:46 Titel: Personenentlarvung |
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Die geheimnisvolle alte Dame. Das finde ich amuesant.
Wie richtig erwaehnt wurde, handelt es sich um den Zeitungsartikel "Yes, Virginia, there is a Santa Claus". Wenn ich mich recht erinnere, handelte es sich um ein editorial. Ein kleines Maedchen fragte ihren Vater, ob es einen Santa Claus gibt, dieser wusste nicht wie darauf zu antworten also sagte er, sie soll der Zeitung New York Sun einen Brief schicken - was dort drin steht, sei richtig.
Sie schrieb:
I am 8 years old. Some of my little friends say there is no Santa Claus. Papa says, "If you see it in The Sun, it's so." Please tell me the truth, is there a Santa Claus?
Der Redakteur Francis Pharcellus Church antwortete damit, dass es Magie sei und dass es Sachen gibt, die es gibt auch wenn man sie nicht sehen kann.
Alles kann man hier nachlesen: (Achtung! Eine unertraegliche Weihnachtsmelodie im Hintergrund, also Lautsprecher ausschalten)
http://www.barricksinsurance.com/virginia.html
Nun ja, das kleine Maedchen hiess halt Virginia O'Hanlon. Ergo: Mrs. O.
Yes, Mrs. O, there is a Santa Claus.
There's no hell and no Hiroshima.
Das ist ja auch die zynische Anmut dieses Liedes. Es ist ein liebes Kopfstreicheln fuer all diejenigen, welche das Leben als zuckersuessen Disneyfilm ansehen. Wie Mrs. O. =D |
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pas_drôle

Alter: 25 Anmeldedatum: 30.07.2006 Beiträge: 346 Wohnort: Berlin vs Trier
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Verfasst am: 06.11.2006, 23:03 Titel: |
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"Mrs. O" ist mein ernanntes Lieblingslied der Dolls.
Ich bin auf Konzerten (ja, auf allen dreien) sehr bewegt, wenn dies gespielt wird.
Doch eines aergert mich. Auf einen Vers komme ich einfach nicht klar:
what a show with our hairdryers aimed heavenwards
and fifty foot extension cords
Sicher, die Uebersetzung ist einfach und ich habe ein Bild 1:1 zu den Worten im Kopf.
Doch was soll es bedeuten?
Ist das eine Antwort auf eine Metapher?
Ist es ein Zitat aus sonstewo?
Ich glaube nicht daran, dass es just for fun sei, einfach nur so. Da muss etwas hinterstecken.
Bitte klaert mich auf. _________________ ~ Charlie, we found a map to Candy Mountain! ~
~ Seven-coins-club-member #04 ~ |
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liquor_veins

Alter: 26 Anmeldedatum: 13.07.2006 Beiträge: 583 Wohnort: Eichstätt vs. Sömmerda vs. Hannover
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Verfasst am: 07.11.2006, 16:17 Titel: |
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Dazu muss ich weit ausholen. (ich habe euch gewarnt)
Vielleicht beinhaltet es die unstillbare Sehnsucht der Menschen, eine schreckliche Wahrheit nicht als solche annehmen, sich ihr nicht stellen zu müssen. Mrs. O. leugnet Verbrechen und redet Unrecht schön - sie gibt uns allen eine salbungsvolle light-Version der Geschehnisse, sozusagen ein "Es war alles nicht so schlimm, wie es dargestellt wurde, nein, wir haben doch gar nicht so viel Schuld gehabt daran". Gut, es kann sein, dass ich es aus meiner deutschen Sicht fehlinterpretiere, denn auch ich habe die Sehnsucht, die unglaublichen Verbrechen des 3. Reiches, Denunziation, Deportation, Massenhaltung und -vernichtung von Menschen, dieses Unmenschliche, diese Bestie, die sich aus uns entwickelt hat, aus dem deutschen Volk, aus unseren eigenen (Ur-)Großeltern, in meinem Kopf abzumildern und mich dadurch vom schlechten Gewissen zu befreien. Durch Vergleiche mit der Foltermaschinerie anderer Regime (Rote Khmer in Kambodscha, Terrorregime im ehemaligen Jugoslawien oder unter Sadam Hussein usw. usw.), von denen es so viele gab und gibt, durch geschichtlich belegtes Unrecht (z.B. die Abschlachtung der nativen Bevölkerung in Süd- und Nordamerika zur Zeit der europäischen Eroberer), durch Sachen wie "Meine Urgroßmutter hat im 2. WK Zwangsarbeiter bei sich im Haus versteckt und ihnen, obwohl sie selber kaum zu essen hatte, mit durchgebracht". Das ist alles wahr. Und trotzdem wäre es falsch, unsere Schuld, die wir alle noch bis ans Ende der Zivilisation mit uns herumtragen werden, einfach dadurch zu relativieren, dass es ja "die anderen auch schonmal so ähnlich gemacht haben".
So, und nun zum Punkt. Mrs. O. versteht es, nicht kalt zu werden durch die erdrückende Beweislast der Geschichte und der Gegenwart. Und irgendwie, auch wenn wir es eigentlich verachten, bewundern wir sie ob dieser Fähigkeit. | Zitat: | | can you teach us how to keep from getting cold | bzw. | Zitat: | | you really have a way with words |
Wir sehen, wie sie, den kalten Schnee, das Unrecht, das uns frieren lässt, uns unter sich begraben kann, einfach nicht anerkennt.
| Zitat: | | what a show with our hairdryers aimed heavenwards | Der Föhn, schönes Bild des sich wehrens (auch wegen seiner pistolenähnlichen Form), schmilzt die Schneeflocken und wirbelt alles in der Welt um und auf. Nichts ist mehr sicher, nichts ist mehr belegt, alle Argumente zählen, sich zu rechtfertigen. zeigt aber gleichzeitig auf, dass wir es nicht schaffen werden, da der Himmel alles umspannend und übermächtig ist. Das überlange Verlängerungskabel sehe ich einerseits als Zeichen großer Anstrengung und langer Überlegung, andererseits als Improvisation und als Hilflosigkeit, die zu blindem Aktionismus führt (wir wissen, wir können nicht gewinnen, aber um unseres Friedens willen, versuchen wir es). Wenn ich mir das Booklet von "Yes, Virginia" betrachte, ist auf der hinteren Seite dieses Föhn-Motiv auf einem Kirchenfenster abgebildet, was den Schluss zulässt, dass es sich bei Mrs. O bzw. ihren Enkeln in gewisser Weise sogar um Märtyrer handelt, die sich selbst und ihre Mitmenschen vor den grausamen Geschehnissen in dieser harschen, kalten Welt durch das Leugnen, Aufweichen und Weichspülen der Realität schützen wollen.
Gut, das war jetzt mein Interpretationsansatz. Ohne Anspruch auf Korrektheit.  |
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pas_drôle

Alter: 25 Anmeldedatum: 30.07.2006 Beiträge: 346 Wohnort: Berlin vs Trier
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Verfasst am: 15.11.2006, 23:50 Titel: Ein ausgedehntes: Humm. |
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Ich habe ueber diesen Interpretationsansatz eine (laengere) Weile nachgedacht. Verstaendlich ist es, was du geschrieben hast. Hier und da konnte ich dem auch folgen. Doch manchmal war ich anderer Meinung.
Ich weiss nicht. Fuer mich ist Virginia niemand, der sich schuetzen woll, sondern jemand, der gar nicht weiss, wovor es sich zu schuetzen gilt. Die pure Scheuklappennaivitaet. Virginia weiss nicht, dass es ein Tchernobyl und einen Holocaust gab. Sicher, ersteres hatte sie nicht einmal miterlebt aber wir reden ja von einer Virginia als Gefuehl, als Ideologie, non?
Denn genau das ist es, was ich herauszuhoeren mag. Oder doch nur versuche?
Dieser Verweis, dass der Foehn pistolenfoermig ist, kam mir gar nicht in den Sinn - das ist so auf's Minimalste reduziert gedacht, dass ich es nicht sah. Aber da ist so viel dran.
Man schiesse auf den Himmel.
Der Foehn als Waermegenerator gegen den Himmel als Kaeltedecke.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist nach deiner Auslegung, liquor, der Foehn quasi ein Symbol fuer das Leugnen, ja?
Genau da dachte ich in die entgegengesetzte Richtung. Ich hatte ein Bild vor Augen, als ist der Foehn die Antithese zum Leugnen.
Der Foehn (die Technik) zielt auf den Himmel (das Transzendente), was fuer mich bedeutete: Das Faktum zielt auf den Glauben. Glauben in dem Sinne nicht nur als Ansicht und ideelle Unterkunft, sondern auch durch subjektive Betrachtung. Das Faktum als Tatsache, also die objektive Betrachtung.
| Zitat: | | with our hairdryers aimed heavenwards |
heisst es ja, dass wir den Foehn gegen den Himmel richten. Wir sind aber nicht Virginia. Virginia ist diejenige, die sagt, dass da ein Himmel ist. Mit Gott, Engeln, Paradies und Wonnegefuehlen.
Wir stehen also gegen Virginia. Mit all dem, was sie vom Himmel (Glaube) erzaehlt, stehen wir mit unseren Foehnen (Fakten) und wehren uns gegen die Scheuklappenideologie, dass es keinen Holocaust (als maschineller Tod) und keinen Hitler (als Personifikation allen Nichtguten) gab.
Mit dem Foehn pustet man ja viel Luft auf. Vielleicht auch Staub. Die Waerme gegen die Kaelte, das Denken gegen das Glauben.
Oder so.
Bin noch am interpretieren. Ich werde deinen Ansatz auch weiterhin beruecksichtigen. Nur fuer mich macht das alles noch einen etwas kantigen Sinn. Obwohl ich glaube zu wissen, dass in "Mrs. O" die klarste und allessagenste Warhheit gibt, welche die Dolls in ihrem Repertoire haben. _________________ ~ Charlie, we found a map to Candy Mountain! ~
~ Seven-coins-club-member #04 ~ |
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